Trancebewusstsein

Ein transpersonales Erleben ist ein Erleben, bei dem die physischen Grenzen durchlässig werden und wir anders oder intensiver wahrnehmen als sonst. Durch diese Bereitschaft der Aufhebung innerer Grenzen und die gleichzeitig hohe Präsenz bei künstlerischen Tätigkeiten ensteht ein vergleichbarer Zustand. Kraft und inneres Wissen finden dabei einen formgebenden Ausdruck. Optimalerweise schafft der schöpferische Prozess eine fließende und gleichzeitig hochkonzentrierte Energieschlaufe, die auch als "Workflow" benannt wird.

Der wesentlich höher aktivierte und veränderte Zustand der Trance wird in fast allen Kulturen als Übertritt in eine erweiterte oder spirituelle Dimension der Welt verstanden. Das Wort Trance kommt vom lateinischen Wort "transire" und bedeutet „hinübergehen“. Es handelt sich beim sogenannten Hinübergehen um einen Wechsel in einen veränderten Wachbewusstseinszustand, der uns intensiver und ganzheitlicher wahrnehmen lässt als an der materiellen Oberfläche des Alltagsbewusstsein. Trance wird oft erweitert durch den Begriff der Ekstase, welcher vom altgriechischen Wort "ékstasis" kommt und „aus sich heraustreten" oder „entgrenzen“ heißt. Durch die Aufhebung der kognitiven und emotionalen Grenzen der physischen Welt können wir uns auf erstaunliche Weise an ein größeres Ganzes anbinden und die Begegnung mit uns selbst und der Welt erweitern. Die meisten Menschen wissen nicht mehr, dass die Fähigkeit zur Trance biologisch in uns verankert ist. Es ist heilsam dieses Grundbedürfnis gezielt zu aktivieren und das volle Spektrum unseres Bewusstseins zu leben.    


Trancekunst in den Kulturen der Welt 

Eine hervorragende Methode, um die Verknüpfung von Kunst und Bewusstsein als breites menschliches Kulturerbe auf lebendige Art zu erfassen, ist die Methode Rituelle Körperhaltungen und ekstatische Trance. Diese wurde von der Kulturanthropologin Dr. Felicitas D. Goodman (1914-2005) entdeckt und wissenschaftlich erforscht. Durch ihre faszinierende Arbeit lassen sich Brücken bauen zwischen unserem rational logischen Denken und dem darunter liegenden magisch mythischen Erleben: Da die Methode alle Bewusstseinsebenen gleichzeitig in uns anspricht, führt sie zu einer integralen und somit sehr aufrichtenden Erfahrung.   

Der Zustand der Trance wird durch den monotonen Rhythmus einer Rassel initiiert, weshalb die Methode in der Wiener Schule für Bewusstsein auch Rasseltrance genannt wird. Die Aktivierung der natürlichen Trancefähigkeit in uns führt zu einer erhöhten Wahrnehmung und Zugriff auf uraltes Wissen. Das spezifische Erleben in der Trance erfolgt anhand von bis zu 40.000 Jahre alten Kunstwerken: Kleine Skulpturen und Höhlenmalereien überliefern Körperhaltungen, welche einen jeweils klar definierten Erlebnisinhalt speichern. Man spricht auch von Body-Mind-States, denn Form und Inhalt bzw. Körper und Bewusstsein sind dabei eins. Die Haltungen dienen verschiedenen Themen, wie der Heilung, der Verwandlung, zu Seelenreisen oder dem Erleben des Kreislaufs von Geburt Tod und Erneuerung. Die Methode selbst ist zeitlos, da der Zustand der Trance aus Raum und Zeit enthebt. Sie ist frei und kulturunabhängig praktizierbar. 

Schlangenfrau, Minoische Kultur, Kreta

Jaguarmensch, Olmeken, Südamerika 

Foto: Ausstellungskatalog Kunst und Kosmos, Kunsthalle Leoben 2025

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