Elisabeth A. Schlegel
Trancebewusstsein
Ein transpersonales Erleben ist ein Erleben, bei dem die physischen Grenzen durchlässig werden und wir Informationen, unsere Umgebung oder Mitmenschen anders oder intensiver wahrnehmen als sonst. Durch die Bereitschaft der Aufhebung innerer Grenzen und die gleichzeitig hohe Präsenz bei künstlerischen Tätigkeiten ensteht ein ähnlicher Zustand. Kraft und inneres Wissen finden einen zielgerichteten Ausdruck. Optimalerweise ensteht in einem schöpferischen Prozess eine fließende und gleichzeitig hochkonzentrierte Energieschlaufe, die auch als Workflow bezeichnet wird.
Der wesentlich höher aktivierte und veränderte Zustand der Trance wird in fast allen Kulturen als Übertritt in eine erweiterte oder spirituelle Dimension der Welt verstanden. Das Wort Trance kommt vom lateinischen Wort transire und bedeutet „hinübergehen“. Es handelt sich beim sogenannten Hinübergehen um einen Wechsel in einen veränderten Wachbewusstseinszustand, der uns intensiver und weiter wahrnehmen lässt als im materiell orientierten Alltagsbewusstsein möglich. Trance wird oft erweitert durch den Begriff der Ekstase, welcher vom altgriechischen Wort ékstasis kommt und „aus sich heraustreten" oder „entgrenzen“ heißt. Die Grenzen unserer physischen Welt können dabei traumgleich überschritten werden. Die natürlich in uns angelegte Fähigkeit zur Trance ist heute bei den meisten Menschen unbewusst. Es ist heilsam diese innere Anlage wieder zu entdecken und das analoge Spektrum des menschlichen Bewusstseins zu erweitern.
Trancekunst in den Kulturen der Welt
Eine hervorragende Methode, um die Verknüpfung von Kunst und Bewusstsein als breites menschliches Kulturerbe auf lebendige Art zu erfassen, ist die Methode Rituelle Körperhaltungen und ekstatische Trance. Diese wurde von der Kulturanthropologin Dr. Felicitas D. Goodman (1914-2005) entdeckt und wissenschaftlich erforscht. Durch ihre faszinierende Arbeit lassen sich Brücken bauen zwischen unserem rational logischen Denken und dem darunter liegenden magisch mythischen Erleben: Da die Methode alle Bewusstseinsebenen gleichzeitig in uns anspricht, führt sie zu einer integralen und somit sehr aufrichtenden Erfahrung.
Der Zustand der Trance wird durch den monotonen Rhythmus einer Rassel initiiert, weshalb die Methode in der Wiener Schule für Bewusstsein auch Rasseltrance genannt wird. Die Aktivierung der natürlichen Trancefähigkeit in uns führt zu einer erhöhten Wahrnehmung und Zugriff auf uraltes Wissen. Das spezifische Erleben in der Trance erfolgt anhand von bis zu 40.000 Jahre alten Kunstwerken: Kleine Skulpturen und Höhlenmalereien überliefern Körperhaltungen, welche einen jeweils klar definierten Erlebnisinhalt speichern. Man spricht auch von Body-Mind-States, denn Form und Inhalt bzw. Körper und Bewusstsein sind dabei eins. Die Haltungen dienen verschiedenen Themen, wie der Heilung, der Verwandlung, zu Seelenreisen oder dem Erleben des Kreislaufs von Geburt Tod und Erneuerung. Die Methode selbst ist zeitlos, da der Zustand der Trance aus Raum und Zeit enthebt. Sie ist frei und kulturunabhängig praktizierbar.
Schlangenfrau, Minoische Kultur, Kreta
Jaguarmensch, Olmeken, Südamerika
Foto: Ausstellungskatalog Kunst und Kosmos, Kunsthalle Leoben 2025
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